Experten bringen Baumbestand auf Vordermann
Frischzellenkur
für Eiche und Co.
Saftiges Grün, soweit das Auge reicht: Der Baumbestand auf der Trabrennbahn ist eine Wucht. Damit das so bleibt, trägt jetzt jeder der rund 550 grünen Riesen eine Plakette. Morsche Kandidaten mussten leider weichen.
Die alte Platane fiel an einem sonnigen Sommermorgen. Drei Stunden kreischte die Motorsäge – dann waren von dem fast 90 Jahre alten Riesen am Basketballplatz nur noch handliche Scheite und Sägespäne übrig. Nanu – Baumfrevler auf der Trabrennbahn?
Weit gefehlt: Der kanadische Exot war krank. Sichtbares Zeichen: eine gerupft wirkende Krone voller toter Äste. Ein kräftiger Windstoß – und schon hätte ein abgebrochener Ast ein spielendes Kind treffen können.
Die Ursache für das Jammerbild heißt Massaria. So romantisch der Name klingt, so verheerend ist die Wirkung. Massaria ist ein Baumpilz. Seine „Leibspeise“: Platanen. Dutzende der schnell wachsenden Hamburger Stadtbäume hat der Bio-Vielfraß bereits das Leben gekostet. Auch auf der Trabrennbahn.
Zunächst kaum merklich frisst der Pilz sich durchs Geäst. Und zieren schließlich nur noch wenige Blätter und viele tote Äste eine einstmals mächtige Krone, ist es zu spät. „Da hilft dann nur noch Abholzen“, sagt Landschaftsarchitekt Michael Beierbach.
Er kennt die rund 300 großen und 250 kleinen Bäume auf dem Oval wie kein zweiter. Denn im Auftrag der GATOR hat er akribisch jeden einzelnen vermessen, auf Fäulnis oder andere Schäden untersucht, Alter, Art und Höhe notiert. Und jeder der Linden, Stieleichen, Erlen oder anderen der 20 bis 30 Sorten eine numerierte Alu-Plakette angenagelt. Jetzt ist jeder Schattenspender im Hamburger Baumkataster vermerkt – und damit vor unbefugtem Abholzen geschützt.
Ziel der Baumpflege-Aktion: „Wir wollen einen gesunden und vitalen Baumbestand auf der Trabrennbahn, um größtmögliche Verkehrssicherheit zu gewährleisten“, erläutert Beierbach. Dafür werden die grünen Riesen regelmäßig zurück geschnitten oder im Notfall abgeholzt und junge Bäume nachgepflanzt.
Der Baum-Fan ist vom Bestand auf der Anlage begeistert: „Die Bäume hier bieten einen optimalen Lebensraum für Vögel, Fledermäuse und Insekten und sind enorm wichtig für einen gut regulierten Wasserhaushalt.“ Außerdem erhöhten die zum Teil 150 Jahre alten Riesen, die schon die Traber-Champions Charlie Mills und Walter Heitmann siegen sahen, den Wohnwert der Anlage ganz erheblich.
Im Herbst und Winter rücken die „Krachmacher“ wieder an: Dann wird alles gesund gestutzt, was keine akute Gefährdung für die Mieter darstellt.
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